Meuthens Abgang, Quo Vadis AfD?

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Eines vorne weg: Es gab eine AfD nach Lucke, es gab eine AfD nach Petry und es wird die AfD auch nach dem Austritt von Prof. Jörg Meuthen weiter geben.
Für viele Mitglieder aber war der überraschende Austritt aus der AfD von Prof. Jörg Meuthen dann doch ein Schock. So war er doch das prägende, wenn auch beileibe nicht das einzige Gesicht der bürgerlich-konservativen AfD. Ein Gesicht das der Partei, nicht zuletzt durch seine sachliche, kompetente Art der politischen Auseinandersetzung beim Wähler, den Medien und auch beim politischen Gegner viel Respekt gebracht hat und das deshalb auch nicht leicht zu ersetzen sein wird. Seine Zeit als Bundessprecher muss aufgrund der zahlreichen Wahlerfolge in Bund, Ländern und Kommunen insgesamt sehr positiv bewertet werden. In so fern hat die AfD Jörg Meuthen viel zu verdanken und es gebührt der Anstand, ihm auch an dieser Stelle für sein großes Engagement zu danken. Das gilt selbstverständlich auch und gerade deshalb, weil seine Aussagen und Einlassungen, zum von ihm wahrgenommenen Zustand der Partei nach seinem Austritt wenig von dem Stil haben erkennen lassen, den Meuthen sich doch immer selbst ausgebeten hat.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Meuten in den letzen Zeit immer mehr mit der Partei unzufrieden war, und er sich selbst immer stärker isoliert hat. Er fremdelte immer stärker mit der Partei, die doch selbst mit angeführt hat. Wer seinen Auftritt beim BPT in Kalkar so wie ich live miterlebt hat, konnte dieses fremdeln durchaus schon damals spüren. Obwohl er damals viel Richtiges gesagt hat, vor allem zum Zustand der Partei, so war vor allem der Stil und der Zeitpunkt dafür sehr unglücklich gewählt. Diese damalige Rede war, man muss es so deutlich sagen eine Provokation für viele Mitglieder und Funktionäre, insbesondere auch deshalb, weil Meuthen darin die Nähe zu den demonstrierenden Menschen auf der Straße in Frage gestellt hat. Eigentlich hätte er es besser wissen müssen.Die AfD ist keine Klientel-Partei sondern eine Partei der Menschen und deshalb natürlich, wenn sicher nicht nur eine Partei des Protestes. Viele Mitglieder hatten damals den Eindruck, dass Meuthen nach seinem Wechsel ins EU-Parlament ein Stück weit den Bezug zu den vielfältigen Problemen im eigenen Land verloren hätte.

Auch in der politisch durchaus komplexen Frage einer Reform oder eines Austritts aus der EU folgte ihm die Partei mehrheitlich nicht. Auch hier hätte Meuthen „seine“ AfD besser kennen müssen. Die Kritik an dieser undemokratischen EU und am Euro ist eine Kern-DNA unserer Partei. An diesen Beispielen ist es erkennbar, woran es Jörg Meuthen bei all seinen zweifellos vorhandenen Kompetenzen mangelte: Gespür für die Meinungen und Belange der Basis und strategische Führungskompetenz, deren erste Aufgabe es ist „den Laden zusammen zu halten“.

Hier hat Meuthen leider versagt, weil er es nicht verstanden hat die Leute mitzunehmen und die unterschiedlichen Strömungen zusammen zu führen. Er steht damit in einer Reihe mit Lucke und Petry. Ausserdem fehlt es Meuthen an politischer Kondition. Die innerparteiliche Demokratie in der AfD ist manchmal mühsam und erfordert von den Leuten an der Spitze Geduld. Diese hat Jörg Meuthen zunehmend verloren. Politik ist kein Sprint, sondern viel eher ein Triathlon, bei dem es auch um Taktik, und dem einschätzen und einteilen der eigenen Kräfte geht. Wer aber in der Politik kein Durchhaltevermögen hat, wird ein gestelltes Ziel nie erreichen. Leider gehört Meuten wohl eher zu den politischen Sprintern, und ist unter anderem auch deshalb gescheitert weil er der Partei in zu kurzer Zeit zu viel abverlangen wollte.

Es müssen sich aber auch Teile der Partei hinterfragen was nun für Erkenntnisse aus dem Austritt von Meuthen abzuleiten sind. Kann es wirklich so weitergehen in der AfD mit eine immer größeren Polarisierung der Strömungen? Ist die Fokussierung auf bestimmte Personen, die ja in manchen Gegenden mit dem Begriff „Personenkult“ umschrieben werden müssen, wirklich zielführend für die Partei. Oder sollten sich die verantwortlichen Funktionäre unserer Partei nicht endlich ihren historischen Verantwortung bewusst werden, die sie als letzte politische Hoffnung Deutschlands tragen? Gilt es nicht alles daran zu setzen, zunächst und als Erstens die Sacharbeit und das Parteiprogramm in den Vordergrund allen politischen Handelns stellen, für eine bessere Politik zum Wohle unseres Landes? Ich meine ja! Die AfD hat eine große Zukunft, wenn sie endlich erwachsen wird. Wenn sich Funktionäre und Mandatsträger nicht wie halbwüchsige Teenager benehmen. Wenn Provokation in der politischen Auseinandersetzung die Ausnahme und nicht die Regel wird. Wenn wir es schaffen uns auf allen Ebenen professioneller zu werden. Und um nicht missverstanden zu werden, nicht angepasster, sondern besser. Wenn wir es schaffen die Punkte, welche Jörg Meuthen zu recht immer wieder angemahnt hat endlich und nachhaltig zu verbessern, kann der Weg der AfD nur nach oben führen!

Ein Kommentar von Oliver Multusch

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