Oliver Multusch: Bundesparteitag in Riesa: Der schwere Weg zur politischen Reife

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Nun schon zum sechsten Mal durfte ich als Delegierter meinen Kreisverband auf einem Bundesparteitag der AfD vertreten. Ich habe also meine Erfahrungen mit diesen Veranstaltungen und ihren unvorhersehbaren Wendungen. So turbulent wie am Sonntag allerdings war es bisher noch nie. Um es gleich vorne weg zu nehmen, es endete mit einem vorzeitigen Abbruch der dann natürlich mit sehr viel negativer Aufmerksamkeit von den Medien bedacht wurde.
Die Details welche letztlich zum Abbruch geführt haben und was sonst noch in Riesa passiert ist beschreibt der nachfolgende Bericht von Florian Jäger sehr eindringlich, dem ich an dieser Stelle nicht vorgreifen möchte. Viel mehr möchte ich mir die Gedanken von Frau Erika Steinbach zu eigen machen, welche die AfD in ihrer Bewerbungsrede für einen der stellv. Sprecher mit einem heranwachsenden, ja Hochbegabten Kind verglich. Sie beschrieb das große Potenzial welches in diesem Kind schlummern würde und dass es Geduld und Fürsorge brauchen wird, bis sich dann mit dem erwachsen werden das volle Potenzial entfalten könne. Ein sehr treffender Vergleich wie ich finde. Die Frage welche sich mir dabei stellt: In welchem Stadium des erwachsen Werdens sich diese Partei derzeit befindet? Und wie viel Zeit sie für diesen Prozess noch brauchen darf bevor ihr die Wähler die Gefolgschaft kündigen? Das in Riesa von einigen Protagonisten, vorwiegend der Ost-Landesverbände und dem Umfeld von Björn Höcke gezeigte bockige und politisch unreife Verhalten war sicher nicht dazu angetan bei der Wählerschaft draußen großen Zuspruch für die AfD zu wecken. Ganz im Gegenteil. An durchaus möglichen Kompromissen waren diese Leute leider nicht Interessiert. Erkennbar daran, dass ein eigentlich inhaltlich konsensfähiger Antrag zu einer Machtprobe geriet, bei dem nicht nur die am Vortag neu gewählten Sprecher Chrupalla uns Weidel massiv beschädigt wurden, sondern letztlich der Abbruch des Parteitages stand. Genau diesen Leuten muss endlich klar gemacht werden, wie sehr sie durch ihr Verhalten unserer Partei schaden. Das ist Aufgabe von allen Funktionären aber auch allen Mitgliedern in der AFD. Diese Verantwortung haben wir alle! Vor allem muss denen die Erkenntnis vermittelt werden, dass die Menschen im Westen ein völlig anderes Wählerklientel darstellen wie die Menschen in den Provinzen im Osten. Vor allem in den großen Städten wie Frankfurt, Hamburg, Stuttgart oder München wo wir die Menschen nur sehr schwer erreichen, wird das besonders deutlich. Folglich ist die im Osten von ihnen gewählte politische Ansprache hier ungeeignete bis schädlich. Auch die im Osten so wichtigen sozialen Themen verfangen im Westen nicht oder nur bei sehr wenigen Wählern. Es gilt hier also flexibel zu sein. Unser gutes und ausgewogenes Parteiprogramm gibt das allemal her. Nur wenn sich diese Erkenntnis bei den Ost-Verantwortlichen endlich durchsetzt können wir als bundesdeutsche Partei überall in Deutschland erfolgreich sein. Erst wenn das in Riesa gezeigte unreife, bockige,r echthaberische, ja bisweilen naiv arrogante Motto “Vom Osten lernen, heißt „Siegen lernen” einer erwachsenen, überlegten und realistischen gesamtdeutschen Betrachtung weicht, hat die AfD die Change ihr volles Potenzial zum Wohle Deutschlands und seiner Menschen zu erreichen. Ansonsten muss befürchtet werden, dass aus dem einst Hochbegabten Kind AfD, ein bedeutungsloser Sozialfall der Politik wird, den niemand braucht.”

Oliver Multusch

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