Ein Bericht von Franz Bergmüller, Metzgermeister, Immobilienunternehmer und bayerischer Landtagsabgeordneter aus Rosenheim:

Die Desiderius-Erasmus-Stiftung veranstaltete kürzlich einen Online-Vortrag zu den jüngsten Ergebnissen der PISA-Studie. An der jüngsten Erhebung im vergangenen Jahr nahmen rund 760.000 Schüler aus 91 Ländern teil. Dabei erreichten mehrere chinesische Regionen sowie Singapur in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesekompetenz die besten Leistungen. Weiterhin zählten Estland, Japan, Korea und das Vereinigte Königreich in allen drei Bereichen zu den leistungsstärksten Bildungssystemen. Deutschland landete hingegen nur im europäischen Mittelfeld und verschlechterte sich auf einen historischen Tiefstwert. Im Vordergrund der Vortragsveranstaltung stand daher die Frage, aus welchen Gründen insbesondere die Leistungen deutscher Schüler abermals zurückgegangen sind. Hierzu war als Gastreferent der Bildungsexperte Josef Kraus geladen. Kraus war von 1987 bis 2017 ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und ist heute erfolgreicher Buchautor im Bereich Bildung. Wie kaum ein anderer hat er den Abstieg Deutschlands im internationalen Bildungsvergleich unmittelbar mitverfolgt. Er kommt zu dem vernichtenden Ergebnis:

„Deutschland ist schon lange keine Bildungsnation mehr. Viele Studierberechtigte sind nicht studierfähig; viele Azubis sind nicht ausbildungsreif.“

Diese Aussage wird auch durch die jüngsten Erhebungen des Deutschen Hochschulverbandes bestätigt, der zunehmend erhebliche Mängel bei der Studierfähigkeit beklagt. Im Rahmen der Veranstaltung sollten nun die Ursachen dieser negativen Entwicklung beleuchtet werden. Kraus, der früher selbst Schulleiter eines Gymnasiums im niederbayerischen Vilsbiburg war, machte dabei mehrere Gründe für den schnellen Rückgang der schulischen Kompetenzen aus. Einerseits würden die Standards und Ansprüche an die Schüler bzw. Studenten laufend abgesenkt, um den tatsächlichen Niveauverfall politisch zu verschleiern. Diese Leistungsfeindlichkeit innerhalb der schulischen Bewertung führe beispielsweise beim Abitur zu immer mehr guten Abschlüssen, obwohl die Schüler keineswegs leistungsfähiger geworden seien. Die Realität sehe man dann erst im Zuge standardisierter Vergleiche wie der Pisa-Erhebung. Weiter ging Kraus auf die Rolle der Migration ein, hier seien insbesondere mangelnde Sprachkenntnisse problematisch. Statistisch sei mittlerweile nachweisbar, dass ab einem Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund von über 20 Prozent die gesamte Leistung einer Klasse zurückginge. Fakt sei jedoch, dass der Migrationsanteil in manchen bayerischen Schulklassen teilweise bei 100 Prozent liege. Kraus meinte dazu:

„Ein erheblicher Teil der Probleme der (Ex-)Bildungsnation ist importiert. Die Integrationsfähigkeit des deutschen Bildungswesens ist überfordert.“

Eine weitergehende Recherche im Nachgang der Veranstaltung ergab, dass hierbei offensichtlich auch die Art der Migration einen Unterschied macht. So liegen Schweizer Schüler zwar bei den Pisa-Ergebnissen allgemein deutlich vor deutschen; doch auch die Migranten in der Schweiz schneiden erheblich besser ab als Migranten in Deutschland. Diese Zusammenhänge beweisen: Migration ist aus bildungspolitischer Sicht zwar grundsätzlich problematisch – es kommt jedoch entscheidend auf Herkunftsland und Vorbildung an, und hier ist die Schweiz bekanntermaßen äußerst konsequent.

Während bildungspolitische Probleme in der öffentlichen Debatte nur am Rande wahrgenommen werden, sind deren Folgen längst im ganzen Land zu spüren. Deutschland befindet sich in einer anhaltenden Rezession und eine der Ursachen ist der akute Mangel an qualifiziertem Nachwuchs. Erst vor wenigen Tagen zeigte sich der CEO des weltgrößten Digitalkonzerns Nvidia öffentlich schockiert über den schnellen Abstieg Deutschlands in der Weltwirtschaft. Wer nach den Ursachen für diese Abwärtsspirale sucht, landet jedoch unweigerlich auch bei der Bildungsmisere. Fakt ist: Wenn Deutschland seine eklatanten Probleme im Bildungssektor nicht in den Griff bekommt, wird man zwangsläufig auch wirtschaftlich weiter absteigen. In Zeiten globaler Digitalisierung und KI kann man sich ein marodes Bildungssystem schlichtweg nicht leisten. Ein Blick auf die Pisa-Ergebnisse zeigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Erfolg und starkem Bildungssystem gibt. Es wird also höchste Zeit, dass auch wir in Deutschland den Leistungsgedanken wieder in den Mittelpunkt stellen. Leistung ist nichts, wofür man sich schämen muss – so sollte das Leitprinzip einer zukunftsfähigen deutschen Bildungspolitik lauten.

Kategorien: Kommentar