In Deutschland nutzen aktuell rund 83.000 Endkunden Satelliteninternet, die meisten davon Starlink von Elon Musk.

Starlink ist aktuell der etablierte Anbieter mit den meisten Kunden; es gibt verschiedene Tarife (mobil, stationär) und regionale Preisunterschiede. Mittlerweile gibt es in Deutschland Tarife ab monatlich 29 Euro (bei stationärer Anwendung), bei denen man die erforderliche Empfangstechnik kostenlos gestellt bekommt.

Amazon Leo (ehemals Project Kuiper) ist noch im Aufbau, wird aber voraussichtlich in 2026 auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern verfügbar sein. Die Tarife sind derzeit noch unbekannt, aber Starlink hat kurz vor dem Markteintritt von Amazon Leo die Preise massiv gesenkt.

Starlink hat einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, da man die eigenen Raketen von SpaceX nutzen kann. Amazon muss für den Transport der Satelliten ins Weltall hingegen fremde Unternehmen beauftragen.

Das Entscheidende: Die Systeme können preislich zwar mittlerweile mit Festnetzinternet mithalten, die technischen Daten sprechen aber dagegen, dass Satelliteninternet in Europa eine ernsthafte Konkurrenz zum Festnetz werden wird:

1. Freie Sicht zum Himmel erforderlich (mit relativ großem Winkel, um gleichzeitig mehrere Satelliten erreichen zu können)

2. Die verfügbare Bandbreite je Satellit (und damit die maximale Nutzerzahl) sind beschränkt und erlauben keine gleichzeitige Versorgung von hunderttausenden/Millionen Nutzern. Dieses Problem lässt sich nur mit immer mehr Satelliten beheben, aber dazu muss man sich die Relationen anschauen: Bisher gibt es rund 12.000 aktive Satelliten unterschiedlicher Nutzer im Weltall. Starlink will alleine 40.000 Satelliten ins All bringen – also das Dreifache der heute insgesamt von allen Nationen genutzten Anzahl. Schon heute wird es immer schwieriger, die Flugbahnen der Satelliten zu koordinieren, außerdem gibt es immer mehr unkontrollierbaren Weltraumschrott. Die letzte Kollision von zwei Satelliten hat ein Trümmerfeld im Weltall hinterlassen, das Risiko von weiteren Zusammenstößen nimmt damit weiter zu. Es gibt also vermutlich eine Obergrenze, wie viele Satelliten insgesamt vertretbar sind.

3. Hohe Stromaufnahme des Empfangsteils, vor allem im Winter (Abtaufunktion): Die Starlink-Standardantenne hat eine Leistungsaufnahme von 75 bis 100 Watt. Das ist ungefähr fünf Mal mehr als ein normaler Router benötigt.

4. Abhängigkeit von einer einzigen Firma: Selbst wenn man nicht überall teure Glasfasernetze baut, wären die bestehenden Telefonleitungen genauso leistungsfähig und dabei günstiger als Satelliteninternet. Außerdem ist es fragwürdig, die Internetversorgung von einem einzigen US-Konzern abhängig zu machen. Hinzu kommt die logistische Grenze der Satellitenanzahl.

Es ist also nicht davon auszugehen, dass Satelliteninternet im Vergleich zum Festnetz eine dominierende Rolle spielen wird, dies ist nur in abgelegenen Regionen sowie bei mobilen Anwendungen (z.B. Wohnmobile, Militär, Polizei, Rettungsdienste etc.) zu erwarten.

Außer in sehr abgelegenen Regionen wie z.B. Zentralafrika, Zentralasien sowie Kanada konnten keine Länder ermittelt werden, in denen Satelliteninternet eine entscheidende Rolle spielt. Kanada liegt mit sieben Prozent Anteil auf Platz 1 im weltweiten Vergleich.

Kategorien: Kommentar