Ein Kommentar von Franz Bergmüller, Metzgermeister, Immobilienunternehmer und bayerischer Landtagsabgeordneter aus Rosenheim:
Europa braucht Gas – und zwar jede Menge davon: Rund 70 Millionen Haushalte mit über 160 Millionen Einwohnern innerhalb der Europäischen Union heizen noch immer mit Erdgas. In einigen Ländern ist der Anteil an gasbeheizten Wohnungen erheblich, so wie in den Niederlanden mit rund 70 Prozent. Auch in Italien wird knapp 60 Prozent des Wohnraums mit Gas beheizt, in Deutschland sind es immerhin noch 56 Prozent. Der deutsche Gasverbrauch war trotz aller politischer Bemühungen zuletzt sogar gestiegen, von 845 Terawattstunden im Vorjahr auf 864 TWh in 2025. Ein Blick auf diese Zahlen macht deutlich: Die Bürger in der EU sind darauf angewiesen, dass ihre Regierungen preiswertes Erdgas in ausreichender Menge zur Verfügung stellen. Leider ist das Gegenteil der Fall. Mit dem EU-weiten Ausstieg aus russischen Energielieferungen und der von den USA verursachten weltweiten Energiekrise hat sich die Versorgungslage für Deutschland und Europa massiv verschlechtert. Der europäische Boykott von Öl und Gas aus Russland wurde dabei immer wieder damit begründet, dass man sich nicht einseitig abhängig machen wolle. Doch statt einer echten Diversifizierung der Lieferstaaten ist man nun zunehmend auf die USA angewiesen. Dabei fällt auf, dass insbesondere die Vereinigten Staaten als Lieferstaat massiv von der aktuellen Energiekrise infolge des Irankriegs profitieren. Einerseits haben sich in 2026 die Margen der US-Raffinerien verdoppelt. Gleichzeitig hat das Exportvolumen von LNG um 30 Prozent zugenommen, bei Kerosin sogar um 50 Prozent. Die USA konnten also infolge der Blockade von Hormus ihre Stellung im globalen Energiemarkt massiv ausbauen und zusätzlich von den hohen Öl- und Gaspreisen profitieren. Dies ist längst auch in Europa spürbar: Der Anteil von US-LNG an den europäischen Importen ist mittlerweile auf 62 Prozent gestiegen, während der Anteil von russischem Pipelinegas und LNG von 40 auf 12 Prozent eingebrochen ist. Die Importpreise für die EU haben sich im Durchschnitt ungefähr verdoppelt – die Rechnung dafür zahlen wie immer am Ende die heimischen Verbraucher. Dass auch die Bürger in den USA deutlich höhere Preise an den Tankstellen hinnehmen müssen, dürfte die US-Regierung dabei ebenso wenig interessieren, wie es in Deutschland der Fall ist. Fest steht nur: Auch wenn Trump es anders darstellt, profitieren die USA von den erheblichen Unsicherheiten im globalen Energiemarkt. Dies war übrigens auch schon 2022 der Fall, als der Energiemarkt mit massiven Preissteigerungen auf den Beginn des Ukrainekriegs reagierte. Aber mittlerweile geht es nicht nur um Bezahlbarkeit, sondern auch schlichtweg um die Verfügbarkeit von Erdgas in ausreichender Menge. Die deutschen Gasspeicher sind Anfang Oktober nur zu 58 Prozent gefüllt. Das sind rund 27 Prozent weniger als im Mittel der vergangenen Jahre. Dieser Füllstand ist in einem durchschnittlichen Winter ausreichend, um die Versorgung aufrecht zu erhalten. Sollten jedoch auch in diesem Jahr längerfristig zweistellige Minustemperaturen herrschen, wird es nicht nur in Deutschland knapp – ganz Mitteleuropa droht dann eine gefährliche Gasmangellage. Die Behörden sehen es offensichtlich ähnlich, denn für die deutsche Gasversorgung gilt seit Sommer 2025 immer noch die sogenannte Frühwarnstufe. Der eigentliche Skandal ist dabei, dass die Bundesregierung eine Gefährdung der Energieversorgung nicht nur zugelassen, sondern geradezu herbeigeführt hat. Es gab für Deutschland zu keinem Zeitpunkt eine Notwendigkeit, Hals über Kopf den Energiehandel mit Russland einzustellen. Wir haben schließlich auch nicht den Außenhandel mit den USA abgebrochen, als diese den Irak, Syrien oder Libyen in Grund und Boden gebombt haben. Diese Heuchelei der deutschen Regierung wäre alleine schon schlimm genug. Dass unsere gesamte Wirtschaft und 83 Millionen Menschen in unserem Land den Preis für die Abgehobenheit im Bundeskanzleramt zahlen dürfen, ist jedoch ein beispielloser Vorgang. Es wird jedenfalls höchste Zeit, diese gegen die eigenen nationalen Interessen gerichtete Politik ein für alle Mal abzuwählen. Dabei gibt es wenigstens eine gute Nachricht: Die AfD steht bereit um zu retten, was noch zu retten ist.