In den Medien auf beiden Seiten des Atlantiks herrscht weitgehend Einigkeit: Trumps Zölle schaden am Ende den Amerikanern selbst – in Form höherer Preise.
Aber ist es wirklich so einfach?
Wie kommt es, dass Wirtschaftsprofessoren, die in der Vergangenheit stets durch Uneinigkeit auffielen und noch nie eine Rezession oder einen Börsencrash vorhersagen konnten, plötzlich bei einem Thema eine derart bemerkenswerte Einigkeit zeigen?
Wenn Zölle tatsächlich so schädlich für die eigenen Verbraucher sind – warum hat dann die Europäische Union im Januar mit Gegenzöllen in Höhe von 93 Milliarden Euro gegen die USA gedroht? Würden diese Zölle am Ende nicht die Europäer selbst bezahlen?
Warum titelten deutsche Zeitungen Anfang Januar, dass die US-Zölle die Krise in der deutschen Wirtschaft noch verschärfen würden?
Wer trägt tatsächlich die wirtschaftliche Last?:
Es gibt jedoch auch zahlreiche Ökonomen, die argumentieren, dass die ökonomische Inzidenz – also die tatsächliche Last – von Zöllen in erster Linie bei den ausländischen Exporteuren liegt. Der Grund: Importeure können Zölle in der Realität nur selten „eins zu eins“ an die Verbraucher weitergeben. Schließlich ist die amerikanische Wirtschaft eine der dynamischsten der Welt. Verbraucher haben eine enorme Auswahl an Anbietern, und der intensive Wettbewerb macht es Unternehmen oft erstaunlich schwer, Preise einfach zu erhöhen.
Ja, es ist wahr, dass die Amerikaner die Zölle bezahlen: Zunächst zahlen die amerikanischen Importeure die Zölle an der Grenze. Aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Entscheidend ist die Frage, ob sie diese Kosten an die Verbraucher weitergeben können – oder ob sie Preisdruck auf den Exporteur ausüben, um den Verbraucherpreis stabil zu halten.
So kann sich die eigentliche ökonomische Last ins Ausland verlagern: durch Preisnachlässe, durch schrumpfende Gewinnmargen, durch veränderte Absatzmengen, durch Umstellungen der Lieferketten oder durch Wechselkursbewegungen.
Gerade exportabhängige Volkswirtschaften wie China stehen unter erheblichem Anpassungsdruck, wenn ihr wichtigster Absatzmarkt Zölle erhebt. Mit anderen Worten: Ein Teil der Anpassung findet jenseits der US-Grenzen statt – nicht im amerikanischen Supermarktregal.
Zölle erzeugen daher oft erheblich mehr Druck im Ausland als im Inland – zumindest dann, wenn ausländische Anbieter auf den Zugang zum US-Markt angewiesen sind und bereit sind, Preise oder Margen anzupassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Noch zu früh für ein endgültiges Urteil:
Noch ist es allerdings zu früh, den Erfolg oder Misserfolg von Trumps Zöllen endgültig zu messen. Die Preise für Importe veränderten sich im gesamten Jahr 2025 laut dem U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS) um 0,0 % und im Dezember um 0,1 %.
Die meisten Zölle wurden erst im dritten oder vierten Quartal erhoben. Gleichzeitig begannen ausländische Firmen im Jahr 2025 schnell damit, ihre Lieferungen noch vor Inkrafttreten der Zölle durchzuführen. Einige verschicken ihre Waren zudem über Niedrigzollländer. Deshalb gibt es bisher noch keine wirklich aussagekräftigen Statistiken.
Ob Trumps Zollpolitik langfristig erfolgreich ist, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist bisher nur eines: Die Einnahmen aus Zöllen sind massiv gestiegen. Die Einnahmen durch Trumps Zölle lagen 2025 bei rund 275 Milliarden Dollar. Unter Biden im Jahr zuvor waren es noch 79 Milliarden Dollar.
Toni Schweinzer
Miami, Florida
04.03.2026
Der Rosenheimer Toni Schweinzer war über viele Jahre im Investmentbereich internationaler Großbanken tätig, unter anderem in New York, London und Frankfurt.