Ein Kommentar von Franz Bergmüller, Metzgermeister, Immobilienunternehmer und bayerischer Landtagsabgeordneter aus Rosenheim:

Die deutsche Gasinfrastruktur befindet sich in einer politisch herbeigeführten Krise mit erheblichen Auswirkungen auf Verbraucherpreise und Versorgungssicherheit. Derzeit scheint völlig offen, ob Deutschland mittelfristig überhaupt noch ein Gasnetz betreiben wird, wie es finanziert werden soll und welche Energieträger zum Einsatz kommen werden. Die Bayerische Gemeindezeitung hat nun ein bemerkenswertes Gespräch mit Vertretern der Netzbetreiber geführt, um Perspektiven für die heimische Gasinfrastruktur aufzuzeigen. Die Kernaussage der Branchenvertreter ließ dabei tief blicken:

„Wir stehen vor der Herausforderung, ein flächendeckendes, 550 000 km langes Gasverteilnetz in Richtung Klimaneutralität zu bringen.“

Man müsse in diesem Zusammenhang verbindlich festlegen, ob eine Region Wasserstoffgebiet, Biomethan-Zone oder Stilllegungsgebiet werde, so die Experten. Für die Gasnetzbetreiber scheint es also bereits beschlossene Sache, dass der Netzbetrieb mit konventionellem Erdgas mittelfristig beendet werden müsse. Man plane daher bereits jetzt umfassende Stilllegungen und den Rückbau ganzer Netzabschnitte. Diese kurzsichtige Vorgehensweise kennen wir bereits von anderen energiepolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre. Auch bei Kohle- und Atomausstieg nahm man zuerst die unerwünschten Anlagen außer Betrieb und machte sich dann erst Gedanken über technisch gleichwertigen Ersatz. Nun geht es also dem deutschen Gasnetz an den Kragen und auch hier gehen die Entscheider völlig verantwortungslos vor. Besonders unrealistisch erscheint der propagierte Umbau der Gasnetze für den Betrieb von Wasserstoff. Die Bundesregierung konnte bis heute nicht erklären, wo sie die benötigten Wasserstoffmengen hernehmen will und welche neuen Abhängigkeiten dabei entstehen. Der globale Weltmarkt für „grünen Wasserstoff“ hatte 2025 lediglich einen Umfang von rund neun Milliarden US-Dollar. Demgegenüber steht ein Handelsvolumen von rund vier Billionen US-Dollar bei Erdgas. Allein aus dieser Relation ist erkennbar, dass die angekündigte Wasserstoffstrategie jeder Grundlage entbehrt, weil es schlichtweg keinen relevanten Markt für diesen unwirtschaftlichen Energieträger gibt.

Ähnlich stellt sich die Situation bei heimischem Biogas, das zukünftig ebenfalls über die Gasnetze verteilt werden soll, dar. Die deutsche Gesamtproduktion aus Biogas und Biomethan liegt derzeit bei rund 100 Terawattstunden jährlich, wobei ein Großteil dieser Energiemenge bislang verstromt wird. Demgegenüber steht ein Erdgasverbrauch von rund 1.000 Terawattstunden. Die gesamte Biogasproduktion könnte also lediglich zehn Prozent des deutschen Gasverbrauchs abdecken und das auch nur bei vollständiger Einstellung der Biogasverstromung. Egal, wie man es dreht und wendet: Die energiepolitische Bettdecke ist an allen Enden zu kurz.

Auch die angekündigte Stilllegung ganzer Netzbereiche erscheint mehr als unrealistisch. Zwei Drittel aller Wohngebäude in Deutschland verbrauchen derzeit noch mehr als 100 kWh/m² pro Jahr, gelten also als ineffizient. Über 50 Prozent dieser Bestandsgebäude werden nach wie vor mit Gas geheizt. Ohne umfassende und kostenintensive Sanierung ist ein Umstieg auf die politisch erwünschte Wärmepumpe in der Regel nicht möglich. Der Wertverlust gegenüber sanierten Gebäuden liegt inzwischen bei bis zu 40 %. Die Politik hat also nicht nur die laufenden Wohnkosten nach oben getrieben, sondern Eigentümer durch erhebliche Wertverluste ihrer Immobilien faktisch enteignet. Wer also heute über die Stilllegung der Gasnetze fabuliert, müsste zuerst den Gebäudebestand in Deutschland energetisch sanieren, was für ein Einfamilienhaus in der Regel eine sechsstellige Investition bedeutet. Die Sanierungsquote ist jedoch 2025 auf 0,67 % und damit auf einen neuen Tiefpunkt gesunken. Die Regierung hat also gleich in mehrfacher Hinsicht geradezu fahrlässige Entwicklungen herbeigeführt: Konventionelle Energieträger wurden systematisch verteuert, was wiederum zu steigenden Bau- und Sanierungskosten geführt hat. Nun droht man den Bürgern mit dem Rückbau der Gasversorgung, ohne dass technischer Ersatz verfügbar wäre. Zusätzlich hat man freiwillig auf preiswerte russische Gaslieferungen verzichtet und damit den Mangel an bezahlbarer Energie systematisch verschärft. Diese gewollte Verteuerung fossiler Energieträger hat nicht nur erhebliche Wohlstandsverluste verursacht, sondern gefährdet zunehmend auch die Versorgungssicherheit der Bürger. Man kann es angesichts dieser verheerenden Entwicklungen nicht anders sagen: Sowohl die EU als auch die Bundesregierung führen einen Wirtschaftskrieg gegen die eigene Bevölkerung. Es ist höchste Zeit, diese selbstzerstörerische Regierung abzuwählen und einen Neuanfang zu wagen. Wenn die Wähler nicht bald die Notbremse ziehen, gibt es in Deutschland nicht mehr viel zu retten.

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