Ein Bericht von Franz Bergmüller, Metzgermeister, Immobilienunternehmer und bayerischer Landtagsabgeordneter aus Rosenheim:

Der Europäische Metropolregion München veranstaltete kürzlich zusammen mit dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt eine Tagung zur Neugestaltung der Innenstadt Freising. Die Stadt hat mit der völligen Umgestaltung des Zentrums auf 33.500 m² Fläche ohne Zweifel ein Stück Baugeschichte geschrieben. Das Stadtzentrum wurde barrierefrei überplant, der Stadtbach nach 150 Jahren wieder geöffnet und historische Gebäude aufwändig saniert. Das Projekt wurde seit 14 Jahren geplant und in neun Baujahren schrittweise umgesetzt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 38 Millionen Euro, wovon etwa 13,2 Millionen Euro aus dem Bund–Länder‑Städtebauförderprogramm „Aktive Stadt‑ und Ortsteilzentren“ kamen. Im Mittelpunkt steht ein integriertes Konzept aus Einkaufen, Wohnen, Kultur und Aufenthalt, das die Innenstadt als fußgängerfreundliches Zentrum stärken soll. Dazu wurden Hauptstraßen, Nebengassen und Plätze niveaugleich neu gepflastert, der Durchgangsverkehr reduziert und die Zugänge zur Altstadt neu gestaltet. Ein zentrales Element war dabei die Öffnung der Stadtmoosach, die nach rund 150 Jahren wieder als erlebbare Wasserfläche in die Innenstadt integriert wurde. Die Umbaumaßnahmen umfassten die Sanierung und Neugestaltung von rund 33.500 Quadratmetern Straßen‑ und Platzflächen in der Altstadt. Die Untere und Obere Hauptstraße sowie Teile der Bahnhofstraße wurden barrierefrei mit neuen Oberflächenbelägen, Aufenthaltsbereichen und einer durchgängigen Höhenanpassung umgebaut, sodass feste Gehwegbegrenzungen entfallen konnten. Zusätzlich wurden die Wärmeversorgung im Innenstadtbereich modernisiert und städtische Infrastrukturen (v.a. Wasser- und Nahwärmenetze) erneuert. Der Umbau wurde aus mehreren Gründen initiiert: Die Innenstadt galt mit starkem Autoverkehr als unattraktiv, mit hohem Lärm‑ und Schadstoffniveau und wenig Aufenthaltsqualität. Gleichzeitig sollte der Innenstadthandel gestärkt und die Attraktivität als Wohn‑ und Lebensraum erhöht werden. Durch die Neugestaltung sank der Verkehr im Zentrum um rund 90 Prozent. Die Gesamtinvestitionen für die Innenstadt beliefen sich auf etwa 38 Millionen Euro und damit rund drei Millionen Euro unter dem ursprünglich vom Stadtrat bewilligten Budget. Davon wurden rund 13,2 Millionen Euro durch das Städtebauförderprogramm „Aktive Stadt‑ und Ortsteilzentren“ von Bund und Freistaat gefördert. Die Sanierungskosten des historischen Asamgebäudes fielen jedoch mit rund 80 Millionen Euro deutlich höher als ursprünglich geplant aus. Auch die umfassenden Baumaßnahmen am Domberg lagen mit 140 Millionen Euro rund 40 Prozent über den kalkulierten Kosten. Nachdem die vergangenen fünf Jahre jedoch allgemein von stark steigenden Baukosten geprägt waren, kann den Planern hier kaum ein Vorwurf gemacht werden. Das Freisinger Innenstadtprojekt hat in der Summe Modellcharakter, weil es bisher nur wenig vergleichbar komplexe, mehrjährige Umbauprojekte mit hoher Gestaltungstiefe und umfassender Bürgerbeteiligung gab. Die starke Reduktion des Autoverkehrs, die integrierte Öffnung der Stadtmoosach und die barrierefreie, niveaugleiche Flächengestaltung werden bundesweit als vorbildlich für andere Stadtzentren bewertet. Zudem wurde die Neugestaltung zusammen mit der Generalsanierung des Asam‑Gebäudes mit dem Preis für Baukultur 2025 ausgezeichnet, was den Modellcharakter und die hohe bauliche Qualität unterstreicht.

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