Ein Kommentar von Franz Bergmüller, Metzgermeister, Immobilienunternehmer und bayerischer Landtagsabgeordneter aus Rosenheim:

23 Millionen. Diese Zahl sollte sich jeder vor Augen führen, der in diesen Tagen eine Stilllegung der deutschen Gasnetze fordert, denn so viele private Gasanschlüsse gibt es derzeit noch in Deutschland. 23 Millionen Privathaushalte sowie mehrere Millionen Gewerbeobjekte sind also auch nach 20 Jahren Energiewende von einem leistungsfähigen Gasnetz abhängig. Der deutsche Gasverbrauch war zuletzt sogar um 2,2 Prozent gestiegen, von zuletzt 845 Terawattstunden auf 864 TWh in 2025. Trotzdem soll es der Gasinfrastruktur nun an den Kragen gehen, wenn man sich die aktuelle Regierungspolitik ansieht. Da wäre zunächst einmal der gewagte (wenn nicht idiotische) Plan, das deutsche Gasnetz auf den Betrieb mit Wasserstoff umzurüsten. Grüner Wasserstoff wäre zwar ohne Frage sehr vielseitig einsetzbar, er ist jedoch schlichtweg nicht verfügbar. Nachdem der ursprünglich geplante Wasserstoffimport aus Nordafrika längst gescheitert ist, probiert man es nun in Dänemark und Norwegen. In einem ersten Schritt soll dazu die Wasserstofferzeugung in Dänemark mit 1,3 Milliarden Euro gefördert werden, auch der steuerfinanzierte Bau von Pipelines ist im Gespräch. Ob Deutschland aber je grünen Wasserstoff in nennenswerten Mengen auftreiben wird, steht noch in den Sternen. Trotzdem wollen einige Gasnetzbetreiber jetzt schon ihre Netze umrüsten und gleichzeitig weite Teile stilllegen. Was dann mit den 23 Millionen privaten Gasverbrauchern geschehen soll, darüber hüllt sich die Bundesregierung in Schweigen. Man weiß es vermutlich einfach nicht.

Die Zukunft der deutschen Gasnetze entscheidet sich jedoch nicht nur mit der Verfügbarkeit von gasförmigen Energieträgern, sondern auch mit der geltenden Regulierung. So hat die Bundesnetzagentur kürzlich ihre Vorgaben für die zulässige Höhe der Netzentgelte veröffentlicht. Die Regulierungsbehörde schreibt den Netzbetreibern dabei unter anderem vor, welche Zinssätze sie für Investitionen in die Infrastruktur anlegen dürfen und wie diese auf die Netzentgelte umgelegt werden müssen. Das Problem: Die aktuellen Vorgaben spiegeln nicht die Realität an den Kapitalmärkten wider. So äußerten die Netzbetreiber einstimmig, dass die Vorschläge der Bundesnetzagentur das erheblich gestiegene Zinsniveau an den Kapitalmärkten nicht ausreichend berücksichtigen. Auch die starren Annahmen zu einer Aufteilung von Finanzierungen auf 40 Prozent Eigenkapital und 60 Prozent Fremdkapital seien demnach nicht immer zutreffend, so die Kritik der Netzbetreiber. Marc Hansmann, Vorstand für Finanzen und Infrastruktur beim Hannoveraner Stadtwerk Enercity, äußerte dazu:

„Wer von Netzbetreibern Investitionen unter erheblichen Unsicherheiten erwartet, muss dieses Risiko auch regulatorisch angemessen berücksichtigen.“ 

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, entgegnete auf diese Kritik der Netzbetreiber: 

„Niemand in der Bundesnetzagentur erwartet Lob aus der Branche für unseren Entwurf der Kapitalverzinsung.“ 

Genau diese Einstellung von Behörden gegenüber der Privat – und Kommunalwirtschaft ist der Grund dafür, warum es wirtschaftlich immer weiter bergab geht. Die Regierung denkt sich starre Vorgaben aus, die Behörden setzen sie durch und die Unternehmen (bzw. deren Kunden) müssen die Konsequenzen tragen. Wo diese regulatorische Abwärtsspirale hinführt, lässt sich am Verfall der deutschen Infrastruktur eindrucksvoll ablesen. Bei der kleinteiligen Diskussion um die Netzentgelte sollte jedoch eines nicht vergessen werden: Die anhaltende Gaskrise begann schon im Jahr 2022, als die Bundesregierung freiwillig die EU-Sanktionen gegen russische Gaslieferungen unterstützte. Ab 1. Januar 2027 darf nun sogar überhaupt kein russisches Erdgas mehr importiert werden – weder LNG noch Pipelinegas. Bundeskanzler Merz hat diesen Schritt der EU ausdrücklich unterstützt. Was dazu wohl die 23 Millionen Gaskunden sagen werden? Sie werden die Folgen spätestens mit der nächsten Gasrechnung zu spüren bekommen; vielleicht sogar mit Versorgungsengpässen im kommenden Winter. Fakt ist: Eine AfD-Regierung hätte die Versorgung mit einem derart kritischen Energieträger niemals so leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Die Aufrechterhaltung der öffentlichen Daseinsvorsorge ist Kernaufgabe des Staates, und die vorsätzliche Zerstörung von Infrastruktur und Handelsbeziehungen ist nichts anderes als ein Angriff auf das Volksvermögen der Bürger.

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