Ein Kommentar von Franz Bergmüller, Metzgermeister, Immobilienunternehmer und bayerischer Landtagsabgeordneter aus Rosenheim:
Die deutsche Automobilindustrie befindet sich im Krisenmodus. Trotz wettbewerbsfähiger Produkte und hoher Investitionen in Forschung und Entwicklung verlieren die Hersteller zunehmend Marktanteile, auch die Gewinne sind zuletzt auf breiter Front eingebrochen. Die Absatzbilanz 2025 fällt für Deutschlands Hersteller ernüchternd aus. Nur BMW erreichte ein leichtes Plus – und das auch nur wegen der Tochterfirma Mini. Die bayerische Kernmarke schließt jedoch wie alle deutschen Hersteller das Jahr mit einem Minus ab. Die gesamte Branche hat in der Folge umfassende Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet. VW will allein in Deutschland 50.000 Stellen abbauen, nachdem der Gewinn im vergangenen Jahr um über 50 Prozent eingebrochen ist. Bei Audi laufen die Sparmaßnahmen unter der sogenannten „Zukunftsvereinbarung“ und sehen bis 2029 den Abbau von 7500 Stellen allein in Deutschland vor. Was mittelfristig Kosten sparen soll, bedeutet jedoch kurzfristig erhebliche finanzielle Belastungen der Unternehmen. So belaufen sich die Kosten für die Restrukturierung v.a. wegen hoher Abfindungen allein bei Mercedes-Benz auf 1,6 Milliarden Euro. Wer heute so viel Geld in den Abbau von Stellen im Inland investiert, scheint auch langfristig kein Potenzial mehr im Standort Deutschland zu sehen. Es greift jedoch zu kurz, die Ursachen für die Krise nur im Verbrennerverbot der EU oder hohen Energiepreisen zu suchen. Die Automobilindustrie steht auch in wichtigen Absatzmärkten außerhalb Europas unter enormem Druck, wie ein Blick nach Osten zeigt. So ist China für die deutschen Autobauer nach wie vor der wichtigste Einzelmarkt, jedoch verlieren alle deutschen Marken hier zunehmend an Gewicht. Für die Pkw-Sparte von Mercedes-Benz war China mit einem Absatz von über 550.000 Fahrzeugen im Jahr 2025 der mit Abstand bedeutendste Markt. Gleichzeitig musste der Konzern jedoch innerhalb eines Jahres einen drastischen Einbruch von 19 Prozent verbuchen. Bei BMW sieht es kaum besser aus: Die 850.000 in China verkauften Einheiten aus dem Jahr 2021 sind inzwischen auf 630.000 Fahrzeuge zusammengeschrumpft. Auch Audi steht im chinesischen Markt erheblich unter Druck, wenngleich der Absatz im letzten Jahr „nur“ um fünf Prozent eingebrochen ist. Die Ursache dieser Entwicklung ist kein Geheimnis, sondern wird sogar von der chinesischen Konkurrenz offen eingeräumt: Der Automobilmarkt in China befindet sich aktuell in einem gegenseitigen Unterbietungswettbewerb. Sowohl chinesische als auch ausländische Hersteller verzichten zunehmend auf ihre Margen, um sich dafür Marktanteile zu sichern. Auch BYD verbuchte daher im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch von 20 Prozent. Etwas überspitzt könnte man also sagen: In China verdient aktuell kaum jemand mit Autos Geld. Die bisher noch ungeklärte Frage ist, wer diesen Preiskampf länger aushalten kann.
Anders als zu vermuten wäre, ist Europa derzeit der einzige Wachstumsmarkt für die deutschen Hersteller. Und ausgerechnet dieser relativ stabile Markt wird durch politische Eingriffe wie das Verbrennerverbot, Kaufprämien für E-Autos sowie die gezielte Verteuerung von Kraftstoffen zunehmend verzerrt. Mercedes-Chef Ole Källenius warnte daher zuletzt erneut vor einem Verbot des Verbrennungsmotors, weil die Industrie allein mit E-Fahrzeugen nicht überleben könne:
„Der Automarkt in Europa steuert auf einen Kollaps zu, wenn die EU an ihrem strikten Verbrenner-Verbot festhält.“
Diese Warnung wird auch durch die Zusammensetzung der Fahrzeugverkäufe unterstrichen: Ein Blick auf die Absatzzahlen zeigt, dass vollelektrische Antriebe auch nach über zehn Jahren staatlicher Förderung nur eine untergeordnete Rolle spielen. Bei VW beträgt deren Anteil am Gesamtabsatz nur acht Prozent, bei Mercedes-Benz sind es neun und lediglich BMW kommt mit 18 Prozent auf einen relativ hohen Anteil vollelektrischer Fahrzeuge. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der Verbrennungsmotor nach wie vor das Rückgrat des deutschen und sogar europäischen Automobilbaus bildet. Diese Botschaft scheint jedoch weder in Brüssel noch in Berlin angekommen zu sein, denn dort arbeitet man weiter an der Zerstörung dieser industriellen Basis Europas. Man braucht sich daher keine Illusionen machen: Wenn diese selbstmörderische Politik nicht sehr schnell abgewählt wird, gibt es in der europäischen Industrie bald nicht mehr viel zu retten.