Ein Kommentar von Franz Bergmüller, Metzgermeister, Immobilienunternehmer und bayerischer Landtagsabgeordneter aus Rosenheim:
Seit dem EU-Verbot des Verbrennungsmotors werden synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, als mögliche Alternative zu fossilen Treibstoffen diskutiert. Befürworter sehen E-Fuels gar als Garant für den Fortbestand der deutschen Automobilindustrie. Ein nüchterner Blick auf Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit synthetischer Kraftstoffe wirft jedoch die Frage auf, ob diese zukünftig tatsächlich eine entscheidende Rolle spielen können. Rein technisch steht außer Frage, dass Verbrennungsmotoren auch mit alternativ erzeugtem Benzin oder Diesel zuverlässig und effizient funktionieren. Rein konstruktiv sind hier wenige bis keine Änderungen notwendig – ein bestechender Vorteil, gerade aus Sicht der deutschen Autobauer. Die Herstellung strombasierter Kraftstoffe ist jedoch mit großen energetischen Umwandlungsverlusten verbunden und daher bislang hochgradig unwirtschaftlich. Medienartikel betonen einseitig vor allem den politischen und praktischen Reiz von E-Fuels: Millionen Verbrenner sind bereits auf deutschen Straßen unterwegs, es wäre also keine Umrüstung nötig, und auch ältere Fahrzeuge könnten mit den neuen Kraftstoffen weiterbetrieben werden. Bestehende Fahrzeuge, Tankstellen und auch die gewohnte Nutzung von Pkw blieben erhalten – soweit die Theorie. Der entscheidende und oftmals übersehene Engpass ist jedoch der unzureichende Wirkungsgrad der Herstellungsverfahren. Laut der aktuellen Studienlage kommen bei E-Fuels im Pkw nur etwa 13 bis 15 Prozent des für die Herstellung eingesetzten Stroms an den Rädern an; bei batterieelektrischen Fahrzeugen sind es etwa 70 bis 75 Prozent. In der Praxis bedeutet das: Für die gleiche Fahrleistung braucht der E-Fuel-Pfad etwa fünf- bis sechsmal mehr Strom als direkte Elektrifizierung. Dies soll nicht als Plädoyer für die Elektromobilität verstanden werden, aber zeigt doch den erheblichen Mehrverbrauch von elektrischer Energie. Auch andere Quellen sprechen von sehr niedrigen Wirkungsgraden im Bereich von etwa zehn bis 15 Prozent und bezeichnen den Einsatz im Pkw als hochgradig ineffizient. Die Verluste entstehen dabei entlang der gesamten Kette aus Elektrolyse, Synthese, Transport und Verbrennung. Volkswirtschaftlich spricht also derzeit wenig für einen breiten Einsatz im Pkw-Bereich. Die Erzeugung von synthetischem Sprit wäre nur dann sinnvoll, wenn sie mithilfe von vorhandenen Energieüberschüssen erfolgt. Die verfügbaren Energiemengen wären hier jedoch nicht ansatzweise ausreichend, um einen nennenswerten Anteil des deutschen Kraftstoffverbrauchs zu decken. Modellrechnungen gehen für 2045 bei einer vollständigen E-Fuel-Versorgung der Pkw-Flotte von einem Bedarf in Höhe von 640 bis 1.080 TWh Strom pro Jahr aus; das liegt über der gesamten deutschen Bruttostromerzeugung von 2025. Kurz gesagt: Strombasierte synthetische Kraftstoffe würden den Energieverbrauch des Verkehrssektors vervielfachen und die Kapazitäten der Stromerzeugung komplett auslasten. Damit werden strombasierte E-Fuels im Pkw-Massenmarkt ein knapper und teurer Energieträger bleiben, sofern die Strompreise in Deutschland nicht massiv gesenkt werden können. Sollte dies jedoch z.B. durch einen Wiedereinstieg in die Kernkraft der Fall sein, wäre auch eine groß skalierte Produktion synthetischer Kraftstoffe denkbar. Ausgehend von den heutigen Strompreisen würden die reinen Herstellungskosten von E-Fuels jedoch jenseits der zwei Euro liegen, zuzüglich Steuern, Abgaben und Vertriebskosten. Damit wäre der Betrieb eines Verbrenners mit synthetischem Treibstoff deutlich teurer als fossile und in der Regel auch teurer als elektrische Mobilität. Für Deutschland ergibt sich deshalb ein klares Bild: E-Fuels könnten rein technisch gesehen den Verbrennungsmotor erhalten, aber es mangelt bislang an einer skalierbaren und wirtschaftlichen Herstellung. Politisch wären sie interessant, weil sie den Fahrzeugbestand und das bestehende Tankstellennetz weiternutzen, ökonomisch und energetisch bleiben sie aber wegen der massiven Energieverluste vorerst irrelevant. Damit zeigt sich erneut, wie sehr der politische Handlungsspielraum Deutschlands durch die hohen Energiepreise eingeschränkt wird. Hätte die Bundesregierung beispielsweise die Kernenergie systematisch weiterentwickelt, wäre sogar eine strombasierte Kraftstofferzeugung im Inland denkbar. Die Realität sieht jedoch anders aus.