Ein Kommentar des Energieexperten Franz X. Thielmann zum Thema Gasspeicherbefüllung:
Der Grundstein für die Probleme mit den Gasspeichern wurde bereits 2005 mit der Trennung des Gasgeschäfts und der Netze gelegt. Damit mussten auch die Gasspeicher liberalisiert werden, sie mussten in unabhängige Gesellschaften ausgegliedert werden damit jeder Gashändler diskriminierungsfrei Gas einspeichern konnte.
Die Folge war, dass die Gassspeichergesellschaften wirtschaftlich vor sich hindümpelten da das Gas ganzjährig von Russland günstig bezogen werden konnte und die Liefermöglichkeiten mit der Jamalleitung und der Nordstreamleitung ausgebaut wurden. Mit den Speichern war nur Geld zu verdienen, wenn im Sommer günstiges Gas eingespeichert wurde und dies im Winter teurer verkauft werden konnte.
Nachdem große Speichergesellschaften in wirtschaftliche Schwierigkeiten kamen, stieg Gasprom 2014 in die deutschen Gasspeichergesellschaften ein. Gasprom konnte günstiges Gas in Russland erwerben (damit sollte auch die Abhängigkeit Deutschlands langfristig gesichert werden) und konnte damit die Gasspeicher wieder in die Wirtschaftlichkeit führen.
Mit dem Ukrainekrieg änderte sich alles.
Das Flüssigerdgas LNG ist ganzjährig teuer und damit ist eine Einspeicherung, die auch mit erheblichen Kosten verbunden ist, für die Marktteilnehmer wirtschaftlich nicht darstellbar. Da durch den Irankrieg aus Arabien die LNG-Lieferung eingeschränkt ist, ist Deutschland mehr denn je von LNG-Lieferungen aus Russland und den USA abhängig und das zu hohen Preisen. Da gibt es einfach keine Reize Gas einzuspeichern, möglicherweise gibt es auch ein Mengenproblem. Die Schließung großer deutscher Gasspeicher ist die Folge. Deutschland lebt bei der Gasversorgung derzeit von der Hand in den Mund, es kann weitgehend nur das Gas verbraucht werden, das sich in den Pipelines befindet.
Österreich hat z. B. gesetzlich eine Gasreserve von 20 TWh festgelegt, das reicht im Winter für 2 Monate. Die Speicher in Österreich waren Mitte Juni zu 50% gefüllt.
Aus meiner Sicht lässt sich in Deutschland das Problem nur beheben, wenn die noch intakte Nordstreamleitung und die Jamalleitung wieder in Betrieb genommen werden. Die Jamalleitung könnte sofort wieder in Betrieb gehen, aber das lässt Polen, nach Ansicht unserer Regierung ein befreundetes Land, nicht zu. Das nicht zu LNG aufbereitete Erdgas ließe sich viel günstiger einspeichern. Auch der Betrieb von Gaskraftwerken ist nur mit einem intakten Speichersystem möglich und wirtschaftlich mit direktem Bezug von Erdgas wirtschaftlich akzeptabel.
Franz X. Thielmann