Ein Gastbeitrag aus dem USA von Tony Schweinzer:

KI-Rechenzentren, die mit dem Ausbau der Künstlichen Intelligenz in ganz Amerika wie Pilze aus dem Boden schießen, sind plötzlich eines der Top-Wahlkampfthemen der Midterms-Wahlen für den US-Kongress im November. Sie scheinen im Moment sogar den Krieg im Iran und den Benzinpreis als wichtigste Themen für die amerikanischen Wähler verdrängt zu haben.

KI-Rechenzentren verarbeiten enorme Datenmengen und führen Milliarden von Berechnungen pro Sekunde aus. Aufgrund ihres hohen Stromverbrauchs und der enormen Wärmeentwicklung benötigen sie eine leistungsfähige Stromversorgung und Kühlung. Diese Zentren werden oft außerhalb von Städten und in Wassernähe errichtet, da dort in der Regel die benötigten Grundstücke für den Bau verfügbar sind. Hunderte sind derzeit im Bau, meist sind sie so groß wie ein Fußballfeld.

Bei den normalen Amerikanern gibt es jedoch Zweifel an KI-Rechenzentren. Umfragen zufolge wollen 71 % der Amerikaner kein KI-Rechenzentrum an ihrem Wohnort. Sie fürchten, dass KI-Rechenzentren die Wasserressourcen um ihre Stadt zu sehr belasten, und sie fürchten höhere Strompreise, weil Rechenzentren ein weiterer Abnehmer von Strom in ihrem Netz sind. Es hat sich auch herumgesprochen, dass beim Bau dieser Zentren zwar viele Jobs entstehen. Wenn sie jedoch erst einmal gebaut sind, braucht es nur wenige Jobs, um ein Rechenzentrum zu betreiben.

So haben erste US-Städte 2023 damit begonnen, den Bau von KI-Rechenzentren zu verbannen. Mittlerweile sind es Hunderte von Städten, darunter Seattle, Washington, als größte und bekannteste Stadt und der Firmensitz von Microsoft, aber auch Orte wie Monterey Park in Kalifornien mit seinen 60.000 Einwohnern.

Die Debatte über KI-Rechenzentren im Wahlkampf gab es schon vor Monaten. In etlichen Vorwahlen haben Kandidaten verloren, die sich explizit für den Bau eines Rechenzentrums aussprachen. Gewonnen hat meist der Kandidat, der diesem Ausbau kritisch gegenüberstand und aus Washington härtere Regulierungen für die KI forderte.

Aus Washington aber scheint nicht viel zu kommen. Trump und die Republikaner sehen die KI als Amerikas große Chance. Durch die KI, sagen sie, wird Amerika seine wirtschaftliche Vormachtstellung gegenüber China weiter ausbauen. Die Demokraten sehen die KI eher kritisch. Sie sehen das Potenzial, aber sie warnen auch, dass die KI bei dem Tempo der Entwicklung außer Kontrolle geraten kann und fordern strengere Regulierungen. Kritiker sagen aber, das könnte dazu führen, dass sich die KI „Woke“ entwickelt.

KI-Rechenzentren machen die großen Megatrends KI und Energie plötzlich zu einem lokalen Gemeinderatsthema. Die Wähler verfolgen zwar nicht die neuesten Trends in der KI, aber sie wissen genau Bescheid um ihre Stromrechnung und ihre Wasserrechnung. Sie denken auch an die Zeit in fünf oder zehn Jahren. Denn sollte die KI-Blase platzen, stehen der Stadt dann große Geistergebäude.

Toni Schweinzer
Miami, Florida
30. September 2026

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