Ein Kommentar von Franz Bergmüller, Metzgermeister, Immobilienunternehmer und bayerischer Landtagsabgeordneter aus Rosenheim:
Der Premiumhersteller Porsche steckt in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Eine gefährliche Kombination aus Absatzschwäche in wichtigen Märkten, hohen Umbaukosten und Belastungen aus der Verkehrswende hat die operative Marge zuletzt auf 1,1 Prozent gedrückt, nachdem das Unternehmen im Vorjahr noch 14 Prozent erreicht hatte. Konzernchef Leiters reagiert nun mit einem härteren Sparkurs, weiteren Stellenstreichungen und einer überarbeiteten Modellstrategie. Zukünftig soll weniger auf Verkaufszahlen, sondern verstärkt auf die Gewinnspanne abgezielt werden. Dass selbst eine Premiummarke wie Porsche zu derartigen Schritten gezwungen ist verdeutlicht die völlig veränderten Marktbedingungen, in denen sich die deutsche Automobilindustrie derzeit wiederfindet. Der Renditeeinbruch bei Porsche hat dabei mehrere Ursachen: schwächere Verkäufe vor allem in China, teure Maßnahmen zur strategischen Neuausrichtung und zusätzliche Belastungen im Umfeld der Verbrenner- und E-Strategie. Porsches Verkehrswende kostet Milliarden und belastet die Ertragslage spürbar. Für die strategische Neuausrichtung – also mehr Elektrifizierung, spätere Verbrenner-Modelle und Umbauten im Konzern – nannte Porsche 2025 außerordentliche Aufwendungen von rund 3,9 Milliarden Euro; allein die Produktstrategie und die Reskalierung schlugen mit etwa 2,4 Milliarden Euro zu Buche. Ein entscheidender Kostenblock der Verkehrswende-Investitionen ist dabei die Elektrifizierung der Modellpalette. Porsche hatte bereits 2020 angekündigt, bis 2024 rund 10 Milliarden Euro in Hybridisierung, Elektrifizierung und Digitalisierung zu investieren. Parallel dazu verfolgt das Unternehmen das Ziel, bis 2030 über die gesamte Wertschöpfungskette bilanziell CO₂-neutral zu sein. Man darf dabei jedoch nicht übersehen, dass all diese Schritte einzig infolge der klimapolitischen Vorgaben in Europa notwendig sind. Die Umstellung ist also weniger ein Zukunftsprogramm, sondern vor allem ein politisch herbeigeführter Kostenfaktor. Im ersten Halbjahr 2025 meldete Porsche bereits Sonderaufwendungen von rund 1,1 Milliarden Euro, darunter etwa 500 Millionen Euro für Batterieaktivitäten und 400 Millionen Euro für US-Zölle. Für das Gesamtjahr 2025 wurden die außergewöhnlichen Kosten später auf rund 3,9 Milliarden Euro beziffert, was den Gewinn massiv drückte. Für Porsche ist die Verkehrswende damit doppelt teuer: Einerseits verlangt sie hohe Investitionen in neue Antriebe, Software und Produktionsstrukturen, andererseits entstehen Zusatzkosten durch die Anpassung der Modellpalette sowie durch externe Faktoren wie Zölle. Wirtschaftlich zeigt sich also ein typisches Transformationsmuster: hohe Vorleistungen heute, ungewisse Rendite morgen. Für Porsche ist die Verkehrswende damit kein Randthema, sondern ein Milliardenprojekt mit ungewissem Ausgang. Bisher ist nicht absehbar, ob diese Rechnung am Ende aufgeht. Der Umsatz des Konzerns ließ zuletzt deutlich nach, gleichzeitig ging der operative Gewinn massiv zurück. Besonders problematisch ist, dass Porsche derzeit weit unter dem Niveau früherer Jahre liegt, in denen regelmäßig zweistellige Renditen erzielt wurden. Nach dem Gewinneinbruch 2025 mit einem Rückgang des operativen Ergebnisses von 5,64 Mrd. auf 413 Mio. Euro sehen viele Analysten den nun angekündigten Schnitt als notwendige Reaktion auf die strukturellen Probleme bei Produktmix, China-Geschäft und E-Strategie. CEO Leiters will Porsche organisatorisch schlanker machen und hat selbst einen weiteren Stellenabbau ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig will er die Modellpalette schärfen und prüft neue Modelle oberhalb der bisherigen Sportwagen. Sein Grundsatz lautet offenbar „Wert vor Volumen“: Porsche soll nicht mehr einfach mehr Autos verkaufen, sondern je verkauftem Fahrzeug profitabler werden. Der Kurs des neuen Porsche-Chefs ist deshalb mehr als ein interner Sanierungsplan, weil Porsche als Premium- und Profitmarke lange als Vorbild für die deutsche Autoindustrie galt. Die Botschaft aus diesen Tatsachen lautet: Wenn selbst Porsche zu radikalem Umbau, Kostendisziplin und stärkerer Modellselektion gezwungen ist, zeigt das, wie stark der Druck auf die deutschen Hersteller insgesamt geworden ist.