Ein Kommentar von Franz Bergmüller, Metzgermeister, Immobilienunternehmer und bayerischer Landtagsabgeordneter aus Rosenheim:
Die Bundesregierung will Stromkunden ab 2026 über einen milliardenschweren Zuschuss bei den Netzentgelten entlasten. Geplant ist eine Unterstützung von 6,5 Milliarden Euro, mit der die Netzentgelte um rund zwei Cent je Kilowattstunde sinken könnten; für einen Durchschnittshaushalt wird eine Ersparnis von etwa 25 bis 50 Euro im Jahr genannt, für große Industriebetriebe geht es jedoch um hunderttausende Euro. Auf dem Papier klingt das nach erheblichen Entlastungen, in der Praxis ist es jedoch vor allem ein weiteres Beispiel dafür, wie stark der Strommarkt inzwischen von politischen Eingriffen, Ausgleichszahlungen und Subventionen geprägt ist. Gerade darin liegt jedoch das eigentliche Problem. Wenn Strom nur noch durch milliardenschwere Umverteilungen aus dem Bundeshaushalt bezahlbar bleibt, ist das kein Zeichen eines gesunden Marktes, sondern der Beweis für ein Systemversagen. Netzentgelte machen mittlerweile rund 30 Prozent des Strompreises aus, wobei der durchschnittliche Haushaltsstrompreis 2025 bei etwa 39,5 Cent pro Kilowattstunde lag. Die deutsche Industrie zahlt derzeit je nach Verbrauch zwischen 11 und 30 Cent je Kilowattstunde. Dass ein erheblicher Teil dieser Kosten heute politisch abgefedert werden muss, zeigt, wie teuer die Umstellung des Energiesystems geworden ist – und wie unsere eigene Wettbewerbsfähigkeit durch diese falsche Energiepolitik zerstört wird. Zum Vergleich: In den USA oder China zahlen Industriebetriebe rund acht Cent. Besonders kritisch ist jedoch die fragwürdige Logik der Energiewende selbst. Sie setzt auf einen tiefgreifenden Umbau der Versorgung, verlangt parallel den Ausbau von Netzen, Reservekapazitäten und Speicherlösungen und produziert damit neue Kosten, die am Ende an Verbraucher und Unternehmen weitergereicht werden. Der milliardenschwere Zuschuss zu den Netzentgelten kann diese Unkosten nur vorübergehend auffangen, nicht aber beseitigen. Vor allem darf man nicht übersehen, dass die Subventionierung der Strompreise mit Steuergeldern am Ende auch vom Verbraucher bezahlt wird. Die groß angekündigte Entlastung ist also am Ende nichts anderes als Wählertäuschung. Dass die Bundesregierung zugleich auf eine allgemeine Senkung der Stromsteuer auch für Privatkunden verzichtet, obwohl diese im Koalitionsvertrag angekündigt war, passt hier ebenfalls ins Bild. Hinzu kommt, dass die Entlastung regional sehr ungleich ausfallen dürfte. Experten weisen darauf hin, dass die Wirkung des Zuschusses je nach Netzstruktur, Verbrauchsprofil und Region deutlich schwanken kann. Preisvergleichsportale kommen in ihren Analysen sogar zu dem Schluss, dass die Stromrechnung bei Haushalten rechnerisch nur um rund vier Prozent sinken könnte; außerdem werde nicht der gesamte Zuschuss unmittelbar an die Kunden weitergegeben. Das ist ein typisches Muster politischer Strompreisregulierung: große Ankündigung, begrenzte Wirkung, unklare Verteilung – und am Ende steuersubventionierte Gewinne für die Energieversorgungsunternehmen. Fakt ist: Dass die Strompreise in Deutschland ohne Subventionen und Sonderregeln kaum noch stabil und wettbewerbsfähig sind, ist ein ökonomisches Warnsignal. Der Reformplan zu den Netzentgelten ist deshalb weniger ein Befreiungsschlag als ein Reparaturversuch an einem völlig überdehnten System. Wer Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit gleichzeitig mit immer neuen Umlagen, Förderungen und Eingriffen steuern will, landet am Ende in einer energiepolitischen Planwirtschaft. Der Preis dafür ist nicht nur finanzieller Natur: Mit jedem zusätzlichen Fördertopf wächst die Abhängigkeit von staatlicher Lenkung, während die Preissignale des Marktes verzerrt werden. Genau das macht die Debatte über Stromkosten so grundlegend: Es geht nicht nur um einige Cent pro Kilowattstunde, sondern um die Frage, ob ein hochkomplexes Energiesystem dauerhaft durch dirigistische Maßnahmen stabilisiert werden kann – oder ob es durch staatliche Eingriffe nicht immer dysfunktionaler wird. Eine zukunftsfähige Energiepolitik muss deshalb an der Wurzel ansetzen: weniger politische Sonderwege, mehr Technologieoffenheit, realistische Kostenrechnung und ein ehrlicher Blick auf die Nebenwirkungen der Transformation. Solange stattdessen Milliarden gegen für reine Symptombekämpfung eingesetzt werden, bleibt die vermeintliche Entlastung teuer erkauft.